Trügerische Idylle am Wannsee


Kreative Schreibarbeit & Aufwärmübung

Das Wasser liegt ruhig da und die Nachbarschaft lässt auch auf sich schließen, dass hier nicht der Bär steppt. Ein Kajak fährt an uns vorbei. Idylle pur. Das Ende der Welt am Berliner Wannsee?

Wir betreten ein mächtiges Grundstück mit Seeblick. Auch hier scheint uns die Idylle erschlagen zu wollen. Weit und breit sind wir die einzigen, die zu sehen sind.
Stutzig werden wir erst, als wir aus einem alten Backsteingemäuer mit grünen Türen, uns fremde Töne vernehmen.

Wir folgen, unter uns der Kieselboden knirschend, dem Geräusch. Bei näherem hinhören könnte man meinen, eine Horde wilder Kinder versucht, auf Englisch zu singen.
„PAAAS-KNNS- FNNSS-WINNSRR“, kommen uns die „Wörter“ entgegen geflogen.

Einen verwunderten Blick, beim Betreten des Hauses können wir uns nicht verkneifen. Wir schauen in Richtung elf Jugendlicher im Alter zwischen 18 und 21 Jahren, die um eine Tafel mit Worten stehen und diese wie ein Mantra nachsprechen. Ein Mann mit grünem Hemd wirkt wie ihr Dirigent. Er steht vor ihnen und spricht vor – sie sprechen nach.
Wir hören noch eine Weile dem Sonderbaren zu, bis die kleine Session beendet wird.

Eine Stimmen- und Atemübung zum Einstimmen und frei werden von Gedanken, erklärt uns der Dirigent. Wir erfahren, dass der mutmaßliche Dirigent Bernhard heißt und als freier Theaterpädagoge arbeitet.

Er leitet hier die Theaterwerkstatt zum Schreibseminar „Platz da?! – Lebensentwürfe im globalen Dorf“. In unseren Augen muss sich die bloße Verwirrung wiederspiegeln. Immerhin erscheint uns die Frage, was Stimmübungen und Schreiben miteinander zu tun haben, als berechtigt. Von Bernhard erfahren wir, dass es ein Ziel des Workshops ist, dass die Teilnehmer selbstbewusst und ohne Scheu ihre Texte vortragen können. Sie sollen wissen, wie sie die Zuschauer für sich gewinnen.

Nicht nur das Schreiben soll geübt sein, sondern auch eine lebendige Präsentation dessen. „Und diesen Prozess muss man üben“, fügt er hinzu. „Der Zuschauer soll nicht glauben, dass dort eine Marionette steht, die irgendetwas aufsagt, sondern dass man zum Beispiel seinen eigenen Text ironisiert und dadurch Abstand nimmt.“ Uns wird erklärt, dass es wichtig ist, kein großes Spektakel um die Texte zu machen, da sonst der Inhalt nur zum “Beifutter” werden würde. Es muss immer gewährleistet sein, dass die Texte im Vordergrund stehen.

Die Gruppe scheint Spaß zu haben. Die Situation ist aufgelockert und Scham, vor den anderen zu spielen, ist nicht zu spüren. Nach einer weiteren Improtheater-Aktion, die bei allen zur Heiterkeit beiträgt, verändert sich die Situation.

Die fremden Geräusche vom Anfang, sind wie aus dem Raum gepustet und eine kreative und konzentrierte Stille tritt ein. So still, dass man versucht, leiser zu atmen. Man kann die Köpfe förmlich brummen hören. Sie sind auf der Suche nach Inspiration und es geht voran.

Wir sind überrascht vom Wannsee. Hinter der Idylle verbirgt sich tatsächlich mehr, als erwartet. Und das Ende der Welt ist hier sicher nicht!

Text von Lisa // Video von Marcus

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Ein Gedanke zu „Trügerische Idylle am Wannsee

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